Mal ruhige See, mal hoher Wellengang – die vergangenen drei Jahre verlangten dem 30. Abiturjahrgang der Gesamtschule Hüllhorst einiges ab. Passend zum Motto ,,Abi 2026 – wie die Fähre: nichts für schwache Nerven!“, das auf die legendäre Kursfahrt nach Schottland anspielt, zog sich das Bild einer Reise durch die feierliche Entlassung am vergangenen Samstag in der Ilex-Halle. Immer wieder war von Aufbruch, Kurs und neuen Wegen die Rede. Für insgesamt 57 Absolventinnen und Absolventen endete an diesem Tag die Reise durch die Oberstufe – 51 von ihnen erhielten die Allgemeine Hochschulreife, sechs weitere die Fachhochschulreife.
Den Gedanken des Aufbruchs griff Oberstufenkoordinator Dr. Martin Püttschneider zu Beginn der Feier auf. Die Tür zur Gesamtschule Hüllhorst schließe sich nun, zugleich öffne sich eine neue. Angesichts einer von Krisen geprägten Welt warb er für Offenheit und Zuversicht. Statt sich – wie einst im Biedermeier – ins Private zurückzuziehen oder sich von Vorurteilen leiten zu lassen, sollten die jungen Erwachsenen der Welt mit Neugier begegnen. ,,Habt Mut, neue Türen zu öffnen und durchzugehen. Ihr werdet sehen, dass der Mensch im Grunde gut ist“, gab er den Abiturientinnen und Abiturienten mit auf den Weg.
Dass die Überfahrt bis zum Ziel nicht immer ruhig verlief, griff Bürgermeister Michael Kasche in seiner Ansprache auf. In Anlehnung an das Abiturmotto verglich er die vergangenen drei Jahre mit einer Fährfahrt. Mal sei die See ruhig gewesen, mal hätten Klausuren, Leistungsdruck und die Herausforderungen der Oberstufenzeit hohe Wellen geschlagen. Dennoch habe die Stufe stets Kurs gehalten und inzwischen sicher den Hafen erreicht. Für die nun beginnende Reise in Ausbildung, Studium, Freiwilligendienst oder andere Lebenswege wünschte Kasche den Absolventinnen und Absolventen stets eine gute Fahrt. Sein besonderer Dank galt den Beratungslehrkräften Birgit Engel und Dennis Take, die die ,,Fähre“ sicher durch die Oberstufenzeit manövriert hätten.
Auch Schulleiter Jörg Rümpel richtete den Blick nach vorn. Kriege, Umweltzerstörung, Klimakrise und Zukunftsängste dürften nicht dazu führen, den Mut zu verlieren. Vielmehr brauche es eine Haltung, die Sorgen ernst nehme, ohne daran zu zerbrechen. Mit den Worten des französischen Existentialisten Albert Camus – ,,Mitten im tiefsten Winter wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt.“ – ermutigte er die Abiturientinnen und Abiturienten, auf ihre Neugier, ihren Gestaltungswillen und ihre Widerstandskraft zu vertrauen. Niemand werde bereits morgen im Leben seiner Träume erwachen; entscheidend sei vielmehr, sich mutig auf die Suche danach zu begeben. Das Leben sei nicht vorherbestimmt – jeder Mensch habe die Freiheit, seinen eigenen Weg selbst zu gestalten.
Von den Leistungen des Abiturjahrgangs zeigte sich auch Schülersprecher Leo Fritze (EF) beeindruckt. Im Namen der Schülerschaft gratulierte er den Absolventinnen und Absolventen und würdigte sie als Jahrgang, der das Schulleben in besonderer Weise geprägt habe – sei es durch soziales oder musikalisches Engagement.
Mit viel Humor ließen die Vertreterin und der Vertreter des Abiturjahrgangs, Yve Lückl und Mattis Müller, zahlreiche prägende Momente der vergangenen drei Jahre Revue passieren. Augenzwinkernd blickten sie auf typische Eigenheiten ihrer Lehrerinnen und Lehrer zurück und bedankten sich schließlich bei ihrem Beratungslehrerteam für dessen großes Engagement und dafür, dass es die Stufe zu einer ,,etwas weniger chaotischen Stufe“ geformt habe. Für gute Stimmung sorgte anschließend auch der Videobeitrag des Abschlussjahrgangs. Ein Zusammenschnitt der Kursfahrt nach Schottland sowie der letzten Schulwoche weckte viele Erinnerungen an die gemeinsame Oberstufenzeit.
Mit einer ebenso persönlichen wie originellen Slideshow griff das Stufenleiterteam Birgit Engel und Dennis Take die letzten drei Jahre unter dem Leitmotiv eines Märchens auf. Von der Literaturkursaufführung über die Schottlandfahrt bis hin zu den Abiturprüfungen spannten die beiden einen märchenhaften Bogen und ernteten immer wieder herzhaftes Lachen aus dem Publikum.
Nach vielen persönlichen Rückblicken folgte schließlich der feierliche Höhepunkt des Nachmittags: die Übergabe der Reifezeugnisse. Nach Leistungskursen aufgerufen, nahmen die Absolventinnen und Absolventen ihre Zeugnisse aus den Händen von Schulleiter Jörg Rümpel entgegen. Bürgermeister Michael Kasche und der stellvertretende Schulpflegschaftsvorsitzende Sebastian Gemmel gratulierten mit einer Rose.
Besonders geehrt wurden die Jahrgangsbesten Marie Seidel, die einen Notendurchschnitt von 1,2 erreichte, sowie Mattis Müller und Emelie Pracht für die besten Abiturzeugnisse. Weitere Preise für besonders hervorragende Leistungen im Fach Physik erhielten Elias Block, Fynn Meyer, Jacob Radtke und Simon Reitmeier. Mit einem stufeninternen Social Award in Form eines Rucksacks zeichneten die Beratungslehrkräfte Selin Öztas und Mattis Müller für ihr außergewöhnliches Engagement für die Stufengemeinschaft und das Schulleben aus.
Erfrischend und schwungvoll führten Selin Öztas und Robin Schmale durch den Festakt, der von klassischen und poppigen Tönen umrahmt wurde. Dafür sorgten Emelie Pracht mit einem eindrucksvollen Klavierbeitrag sowie der Q2-Kurs von Musiklehrerin Andrea Bontas, der die Titel ,,Beautiful Things“ und ,,Lieder“ präsentierte.
Im Anschluss an die offizielle Abiturfeier ging es weiter nach Isenstedt in den Kaiser Dorfkrug, wo die Absolventinnen und Absolventen das Ende ihrer Schulzeit ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden feierten – bevor sie schließlich Kurs auf ihren nächsten Lebensabschnitt nahmen.
Karina Frigger




















